Vereinsfeste und ihre steuerlichen Folgen - Aktuelle Neuerungen für gemeinnützige Vereine

Das Finanzministerium hat eine neue Abgrenzung zwischen dem großen und dem kleinen Vereinsfest vorgenommen. Zuerst die Regeln, die bisher gegolten haben: Ein kleines Vereinsfest wird steuerlich als entbehrlicher Hilfsbetrieb qualifiziert, der in der Regel nicht körperschaftsteuerpflichtig wurde.

 Das große Vereinsfest, auf der anderen Seite, wird als begünstigungsschädlicher Hilfsbetrieb bei Überschreitung bestimmter Grenzen körperschaftsteuerpflichtig und umsatzsteuerpflichtig. Dies ist jetzt davon abhängig, in welchem Ausmaß eine solche Veranstaltung stattgefunden hat. Ob entbehrlich oder schädlich wird ist damit begründet, dass die Veranstaltung von Festen nicht die ureigenste gemeinnützige Vereinstätigkeit wäre.
Bevor die Unterscheidungsmerkmale zwischen dem kleinen und dem großen Vereinsfest von Bedeutung werden, ist zuerst die Randziffer 141 der Vereinsrichtlinien zu beachten,  wo festgehalten ist, wann ein Vereinsfest überhaupt keine steuerlichen Folgen hat. Dies ist dann der Fall, wenn die Veranstaltung nur einmalig abgewickelt wird, wobei einmalig zwei Inhalte hat. Einmalig ist die Veranstaltung dann, wenn keine Wiederholungsabsicht gegeben ist und wenn die Veranstaltung nicht mehr als 24 Stunden dauert. Die 100 Jahr-Feier eines Vereines bedeutet, dass die veranstaltenden Organe nicht die Absicht haben, auch die 200 Jahr-Feier zu organisieren.
In der Randziffer 306 ist festgehalten, dass eine entgeltliche gesellige Veranstaltung (Vereinsfest) keine unmittelbare Zweckverwirklichung eines gemeinnützigen Vereines wäre. Daraus leitet sich ab, dass eine unentgeltliche gesellige Veranstaltung durchaus die Verwirklichung der Vereinstätigkeit wäre und demgemäß keine Steuerpflicht nach sich zieht. Also wird bei der 100 Jahr-Feier oder bei einer unentgeltlichen Veranstaltung keine Steuerpflicht gegeben sein.
Erst jetzt kommen wir zur neuen Abgrenzung vom großen und vom kleinen Vereinsfest:
Das kleine Vereinsfest ist dann körperschaftsteuerpflichtig, wenn der Gewinn 10.000 € p.a. überschreitet. Das große Vereinsfest ist ebenfalls körperschaftsteuerpflichtung, wenn diese Gewinngrenze mit 10.000 € überschritten wird und umsatzsteuerpflichtig, wenn die Einnahmen 30.000 € übersteigen.
Bisher war es von zwei Kriterien abhängig, ob ein Vereinsfest groß oder klein war. Beim großen Vereinsfest wurden die Vereinsgrenzen gesprengt, was bedeutet, dass weit mehr Besucher zum Fest kommen, als der Verein Mitglieder samt Angehörigen hat. Wenn beispielsweise der Verein 300 Mitglieder, samt Angehörigen 800 Personen, in seinem Wirkungsbereich anspricht, das Vereinsfest aber 1500 Gäste zählt, dann ist ein großes Vereinsfest gegeben. Ein zweites Kriterium für den Unterschied von groß und klein ist der Organisationsaufwand. Dort, wo längerfristig geplant werden muss, wo eine aufwendige Organisation erforderlich ist, wird in der Regel von einem großen Vereinsfest auszugehen sein. Das war in der Vergangenheit, jetzt gibt es neue Kriterien. Diese neuen Kriterien definieren umfangreich das Vorliegen des kleinen Vereinsfestes und wenn nicht alle jetzt folgenden Merkmale vorhanden sind, dann ist von einem großen Vereinsfest auszugehen. Jetzt sind nicht mehr die Besucher des Vereinsfestes maßgeblich, sondern ausschließlich die Organisation des Vereinsfestes. Diese muss von Vereinsmitgliedern und nahen Angehörigen gemacht werden, d.h. vereinsinterne Organisation und was noch wichtiger ist, die Verpflegung und die Bereitstellung dieser Verpflegung muss durch die Vereinsmitglieder und Angehörige erfolgen. Wenn wir bei Verpflegung bleiben: sie muss gekauft, zubereitet, serviert, kassiert, entsorgt werden und zwar ausschließlich durch Vereinsmitglieder und Angehörige. Daher wird es nur ein beschränktes Angebot geben können, nur Bratwürstel oder nur Käseplatte oder nur Brezen. Entsorgung und Säuberung etc. im Anschluss muss wiederum nur durch Angehörige und Vereinsmitglieder erfolgen und es darf die Bereitstellung der Verpflegung keinesfalls durch einen Betrieb erfolgen, auch wenn der Eigentümer des Betriebes ein Vereinsmitglied wäre. Damit scheiden die örtlichen Bäcker und die örtlichen Fleischhauer als Lieferanten aus, wenn sie Vereinsmitglieder sind. Der totale Zeitraum für dieses kleine Vereinsfest beträgt 48 Stunden und bezieht sich auf ein Jahr, fünf Feste im Jahr mit jeweils 10 Stunden sind dann schon zu viel.
Abgesehen von der Kulinarik, die nicht stattfinden darf, bezieht sich die zweite Aussage auf den Unterhaltungsteil. Unterhaltung muss wiederum durch Vereinsmitglieder oder durch unbekannte Musiker erfolgen. Unbekannt heißt, nicht bekannt durch Radio, Fernsehen und schon gar nicht durch Film.
Und jetzt ist es ganz wichtig, alle diese Voraussetzungen müssen erfüllt werden und zwar kumulativ, beim Fehlen eines Kriteriums liegt ein großes Vereinsfest vor, und zwar unabhängig vom Ausmaß und unabhängig vom Anlass. Es wäre dann auch das Kinderschauturnen zu Weihnachten ein großes Vereinsfest.
Die einzige Begünstigung, die jetzt gewährt wird, besteht darin, dass von den Einnahmen 20 % als fiktive Ausgaben für die Mitarbeit der Vereinsmitglieder abgezogen werden kann. Auf diese Weise reduziert sich ein steuerpflichtiger Gewinn und der zweite Vorteil aus der Neuerung besteht darin, dass von dem Gewinn anstelle der bisherigen 7.300 € nunmehr 10.000 €, weil steuerfrei, abgezogen werden können.
In Summe wird das kleine Vereinsfest enger definiert. Viele Feste werden damit steuerpflichtig, auf der anderen Seite werden die Gewinne dann geringer, weil auch beim großen Vereinsfest, was bisher nicht gegeben war, 20 % für die Mitarbeit abgezogen werden können und dann geringer besteuert, weil ein höherer Freibetrag mit 10.000 € gemäß BGBl. 135/2013 vom 29.7.2013 besteht.

Die Darstellung des Finanzministeriums endet mit dem Hinweis auf gemeinsame Veranstaltungen mit Gastwirten. Offensichtlich ist es dem Ministerium lieber, wenn Veranstaltungen in den Räumlichkeiten des Gastwirtes stattfinden. Damit wird vom Verein keine Verpflegung geboten und der Verein macht dann auch keinen Umsatz und auch keinen Gewinn.

23.8.2013
Herbert Grünberger